Im Namen des Blauen Elsters – Die Geschichte unseres „Länderdreiecks“
- Dr. Chen Liang

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Als wir unseren Verlag gründeten, begleitete mich ein stiller Wunsch: Wie könnten unsere aus Taiwan importierten Bilderbücher in der schier unendlichen Flut der Bücherregale ihren eigenen, unverwechselbaren Glanz entfalten? Könnte ein Leser, der durch eine Buchhandlung streift, von ihnen auf eine sanfte Weise angezogen werden – und dann, mit einer leichten Bewegung, den Umschlag öffnen und in eine Geschichte eintauchen? Dieser Augenblick der Begegnung, so glaube ich, ist die wahre Magie zwischen Buch und Kind.
Ich wollte dieser Magie ein Zeichen geben – ein kleines Emblem, das nach Taiwan duftet.
Die asiatische Küche ist voller Gemeinsamkeiten, doch ich konnte kaum ein Bild von Reispfanne mit Schweinefleisch auf ein Buchcover setzen. Berge und Seen sind schön, aber jede Ecke der Welt hat ihre eigenen atemberaubenden Landschaften; Alishan oder den Sonne-Mond-See auf jedes Buch zu malen, erschien mir allzu vordergründig und klischeehaft. Und was die Flagge betrifft – sie ist verstrickt in vielschichtige Geschichten und Identitäten; als Außenstehende steht es mir nicht zu, sie für diese Insel sprechen zu lassen.
Da erinnerte ich mich an die Blauen Elstern auf Yangmingshan, die ich oft von meinem Haus aus beobachtet hatte. Mit ihren langen, fließenden Schwanzfedern zogen sie in anmutigen Bögen über den Himmel – leicht, ungebunden und voller Lebendigkeit. Ihr Flug erinnerte mich an die Insel selbst: eigenwillig, elegant und tiefgründig. Und als ich Taiwan verließ, schenkte mir Botschafter Tseng, ehemaliger Vertreter Taiwans in der Slowakei, eine Brosche mit einem Blauen Elster aus Edelsteinen – ein Geschenk, das mir bis heute heilig ist. In jenem Augenblick wusste ich: Die Blaue Elster ist der geflügelte Bote, den unsere taiwanesischen Bilderbücher verdienen.
Also nahm ich meinen Stift und entwarf ein dreieckiges Emblem mit der Elster in der Mitte, darunter die Worte: „Aus dem Land Formosa“. Ich träumte davon, dass dieses kleine Dreieck jedes taiwanesische Bilderbuch, das wir verlegen, zieren würde – ein stiller Leuchtturm, der Geschichten und Leser zueinander führt.
Als ich meinem Mann, einem ausgebildeten Architekten, meine grobe Skizze zeigte, bot er sofort an, sie für mich neu zu zeichnen. Nach mehreren Tagen sorgfältiger Feinarbeit entstand die elegante Fassung, die wir heute verwenden – ein Zeichen und ein Versprechen zugleich.
Für unsere internationalen Ausgaben haben wir deutsche und slowakische Übersetzungen hinzugefügt, doch der Kern bleibt unverändert: „Aus dem Land Formosa“. Formosa – der alte, poetische Name dieser Insel – ist ein Wort, das bei vielen, die hier zu Hause sind, noch immer einen vertrauten Klang hat.
Dieses kleine Dreieck trägt weit mehr als Wiedererkennung. Es birgt eine zarte Hoffnung: dass jedes Buch, das über das Meer reist, die Anmut der Blauen Elster und die Wärme Formosas in sich tragen möge – und sanft in den Träumen eines Kindes landet.





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